Doku/Film Das Geheimnis des Abendmahls, eine Metapher?

Leonardo da Vinci's ureigene gemalte Interpretation

Nicht allein in dem 1949 erschienenen kulturhistorischen Sachbuch 'Zeichen am Himmel' (Lit. 1) wird recht verständlich die astrologisch-archetypische Darstellung der 12 Jünger in Leonardos Gemälde beschrieben, wie nachfolgend im Überblick von mir selbst einmal kurzinterpretiert:

Die psychologischen Tierkreisprinzipien (Lit. 1,2,4,6) im Bild von rechts nach links analog der vier Jahreszeiten gruppiert beginnen mit

Frühjahr: und dem tatkräftig wirkenden Widder-Anführertypus Simon. (da Vinci hat  lt. unbestätigter Quelle hier wohl Platon dargestellt.)  Neben ihm der etwas materiell wirkende, mit wertschätzend gestalterischen Händen dargestellte Stier-Archetypus Thadäus (Es soll sich um da Vinci's Selbstportrait handeln - julianisch ist er eine Stiersonne.)  Ihnen zugewandt der mit Gesten über den Rücken Verbindung zu den anderen haltende, aufgeregt kommunizierende Zwilling Matthäus.

 

Sommer: Wie die Scheren eines Krebses gehaltene Hände deuten nach Innen auf das Herz des liebevoll-gefühligen Krebs-Archetypen Philippus auf Position 4 von rechts. Daneben die stolze, grosszügig-warmherzige Ausstrahlung des Löwen Jakobus d. Ält. und der krittelnd-warnende Zeigefinger des Jungfrau-Typus Thomas. Die drei symbolisieren den wachsenden, den ausgeprägten sowie den bald scheidenden Sommer und sind alle der Fischesonne Jesus zugewandt.

Links daneben, im Mittelpunkt des Bildes strahlt ein mild wirkender Jesus aus, allegorisch die mystisch heilende Fische-Sonne. Anm.: Sonne im Fischezeitalter steht zur Frühjahrs Tag- und Nachtgleiche ca. 2130 Jahre lang im Sternbild Fische

Herbst: Neben Johannes - oder auch Maria Magdalena - auf Position 7 von rechts, liebreizend schön, androgyn und Waage-gleich dem Petrus zugeneigt, ein heftig moralinsaurer, vielleicht eifersüchtig wirkender Judas und damit im Tierkreis Skorpion. (Anm.: sein „giftiger“ Verrat an die alte, noch gewaltsam herrschende Gesetzes- und Glaubensnorm des Widderzeitalters ermöglichte erst dessen Tod und Wieder-Geburt in sanfterer Form einer erneuerten Fische-Spiritualität.) Daneben Schütze-Petrus auf insgesamt 9. und letzter Position der Herbstgruppe. Er wendet sich zu Waage-Johannes und philosophiert mit ihm möglicherweise über Gerechtigkeit und Schönheit der bald anbrechenden Neuzeitreise ...ins Fischezeitalter, vgl. Mosaik frühchristl. Kirche ganz unten auf dieser Seite. Wie Abschied vom Sommer/ Sonnenuntergang sind alle drei noch mit Jesus in Kontakt.

Winter wird eröffnet auf durch den leicht kühl, überlegt und seriös-beherrscht wirkenden Steinbock Andreas Position 10 (von rechts) mit erhobenen Händen in Abwehrstellung: "bewahre..!" Neben ihm der wie aus einer anderen Welt scheinende, engelhaft und feinnervig wirkende Wassermann Jakobus der Jüngere. Er tippt Petrus mit dem Finger an. Vielleicht, vlt. um ihm eine neue Iddee, einen plötzlichen Einfall mitzuteilen? Ganz links auf letzter Position der in etwas verschwommenen Konturen dargestellte, mystisch-träumerische Fischetypus Bartholomäus. Als könne er nach -allegorisch- „angsteinflössend langem Winter“ einen Neubeginn kaum noch erwarten, blickt er erwartungsvoll über die ganze Tafel dem Anführerprinzip des Widder entgegen.

Wie damals Leonardo in eigenen Worten selbst sein Gemälde beschrieb, findet sich in Geschichte der Astrologie von Wilhelm Knappich -1998 dokumentiert: „... in ganzen 12 Figuren die Kosmographie der kleinen Welt vorgeführt ...nach der von Ptolemaeus geschaffenen Ordnung und Gliederung.Weiter aus einer Dissertation von V.H.Schendel (2005): "Und so gefalle es unserem Schöpfer, daß ich die Natur der Menschen in der Art darzustellen vermöge, wie ich ihre Figur beschreibe.

   Fische  W’mann  St’bock Schütz' Skorpi' Waage  Sonne   Jungfr'  Löwe  Krebs    Zwillinge   Stier      Widder  (1)

             Jakobus d. J.         Petrus           Johannes  Jesus   Thomas        Philippus            Thaddäus

           Bartholomäus        Andreas         Judas                                      Jakobus d. Ält.    Matthäus                Simon

            wahrscheinlich Selbst/portraits:   L. da Vinci   Philosoph Platon

Ganz gleich, ob man an (seriöser) Astrologie glauben schenken mag, oder lieber doch eher skeptisch bleibt: Im Mittelalter war sie -im Gegensatz zu heute- eine vielgeachtete Disziplin und eng mit der Astronomie verwoben! Bereits mit wenig Basiskenntnissen von kultureller Astronomie (= Astrologie, vgl Ursprung der 7-Tage-Woche) erkennt und versteht man glasklar, dass auch die 12 Jünger in Ausgestaltung und Reihenfolge auf Leonardos Werk Das Letzte Abendmahl dementsprechend den Tierkreisarchetypen zugeordnet sind. Kundigen Astrologen schreit das Bild Leonardo's eigene Intention, wie unten dokumentiert, ja förmlich heraus. Und zwar schon rein kultur/ell/historisch objektiv nach ihrer Deutungssytematik beurteilt; völlig unabhängig vom individuell unterschiedlichen Glauben daran.

Unkundige können diese Offensichtlichkeit einfach mal so hinnehmen ...oder müssten sich selbst ein Stück weit darin einarbeiten, um das eigenständig beurteilen zu können. Jedenfalls gibt es hierzu auch quellenbelegte, sachliche und wesentlich kenntnisreichere Literatur (1, 2), als auf Dan Browns Fiktionsebene.

Nicht jeder heutzutage möchte sich selbst mit Basiskenntnissen der Astrologie befassen, bzw. muss auch nicht daran glauben. Dem Unkundigen sei hier jedoch versichert, dass auf dem auch in allegorischer Hinsicht bedeutsamen Meisterwerk die Darstellung der Jünger entsprechend der 12 Tierkreisarchetypen deutlich und zweifelsfrei gelungen erkennbar ist. Bereits einfachere Hobby-Kenntnisse astrologischer Inhalte und Symbolik reichen zu dieser Beurteilung völlig aus. Als universell gebildeter Bürger des späten Mittelalters kannte sich natürlich auch Leonardo da Vinci ein wenig in dieser (noch) angesehenen Lehre aus. So, wie bereits zuvor die schon zu ihrer Zeit hochgeschätzte Hildegard von Bingen. Eine strenge/re Abtrennung der Astrologie von den Kirchen erfolgte erst nach Inquisition und Reformation mit den Umbrüchen der allmählich beginnenden Neuzeit. - Rosenbergs Sachbuch wirkt durchgehend gut recherchiert, eine schön zu lesende kulturhistorische Geschichte der Astrologie mit unzähligen Quellenhinweisen aus Orient und Okzident, Altem und Neuen Testament, Mittelalter, Kirche, Reformationszeit, usw.

Fischesymbolik im restaurierten Bodenmosaik einer frühchristlichen Kirchenruine nahe Elounda auf Kreta, 2009 fotografiert. Die beiden großen Fische sind dem gleichnamigen Tierkreissymbol recht ähnlich!

Darüber hinaus bestätigte mir ein Radiofeature des Deutschlandfunks am 6.1.2002 7:50Uhr, dass große Teile der katholischen Kirche, einige Mönche und sogar vereinzelt Päpste im Mittelalter durchaus Verbindungen zur Astrologie hatten. Nicht selten bis heute noch zu sehen, fände sich unter Klosterornamenten in Deutschland und Frankreich mehrfach auch astrologische Symbolik.

Und die Spekulationen um ein wie auch immer aufgezeigtes menschliches Verhältnis zwischen Jesus und Maria Magdalena? Sie erscheinen mir als mögliche Botschaft des Bildes eher als Nebenrolle. Immerhin sehe ich in der spiegelpolig zu Jesus dargestellten, unübersehbar weiblich- oder aber androgyn-zuneigenden Ausgestaltung seines Lieblingsjüngers Johannes ein Symbol göttlicher Schönheit im Gleichgewicht mit schöngeistiger Liebe. Sie scheint auch Eros zumindest nicht auszuschliessen. Sein Lächeln erinnert ein wenig an Mona Lisa. Dieser Johannes -in welcher Gestalt auch immer dargestellt- fügt sich als Waage (mit Entsprechungen: Planetengottheit Venus, Göttin Isis, Aphrodite, Freia, Eros, usw.) in die aufgezeigte Reihenfolge der Tierkreisarchetypen ein. Durch gleichzeitigen Kontakt zu Jesus und Hinneigung zu Petrus scheint es, als wolle Er/Sie diese Erfahrung über Petrus an die Übrigen weiterleiten wollen. Das kann vielleicht sogar als eine allegorische-versöhnende Brücke zu älteren Kulturen mit ihren beidergeschlechtlichen Götterhimmeln verstanden werden, wie beispielsweise der griechischen Mythologie oder dem ägyptischen Isis-Kult.

Die Anzahl der Jünger im Bild ist Zwölf. Sie ist auch die der 12 Monate im gregorianischen Kalender und gerade, also männlich. Die Zahl aller auf dem Bild dargestellten Personen beträgt Dreizehn. Ebenso die Zahl der kosmischen Mondumläufe im solaren Kalenderjahr. Sie ist ungerade, also weiblich. In Analogie dazu war sie auch die traditionelle Mitgliederzahl eines sogenannten Hexenzirkels. Vergleiche auch den Artikel Märchenforschung und Psychologie zu Dornröschen auf Wikipedia.de! Diese Zirkel wurden nur wenig später ab und nach dem Zeitalter der Inquisition unbarmherzig und grausam verfolgt. (Märcheninterpretationen vgl. a. Autoren - Drewermann oder bzgl. Planeten/Dornröschen - Claus Riemann)  

Voltair sagte einmal: Man soll anderen Menschen die Wahrheit anbieten wie einen Mantel, in den sie, wenn sie bereit sind, hineinschlüpfen können - und sie ihnen nicht um die Ohren hauen wie einen nassen Lappen. 

Meinung einer kirchennahen Astrologin:
"..für mich steht fest, dass es sich um die Darstellung der 12 Prinzipien handelt, das Bild schreit es ja förmlich heraus.
Immerhin war das astrologische Deutungssystem und damit eben auch die wirkgewaltige mythische Bildwelt ja zum Zeitpunkt von Christi Geburt bereits vorhanden. Es ist ja einfach nicht zu übersehen, wenn man es sehen will, dass Bibel und kirchliches Leben diese Bilderwelt aufgenommen haben. Nur wahrhaben will es heutzutage niemand so recht mehr, bis auf die wenigen astrologiekundigen Christen/Theologen.
Ich suche nur deswegen nach einer Äußerung von da Vinci selbst, weil ich das gerne in einer Publikation zitieren würde. Übrigens ist das Buch von Pater Gerhard Voss , Astrologie christlich , auch ein wirklich empfehlenswerter Beitrag zu dem ganzen Themenbereich."