achtsamer Umgang -bzw Mißbrauch- von Astrologie

Charakterbeschreibungen können einerseits recht trefflich sein. Je nachdem wie besser oder schlechter die deutende AstrologIn das Charaktergesamtbild erfasst... Gegenüber konkreten Ereignis- oder Zukunftsdeutungen sollte man jedoch immer skeptisch bleiben! Handlungen unterliegen allein unserem mehr oder weniger freien Willen. Nur unsere Neigungen kann man im Zusammenhang mit den Planetenbahnen sehen - wenn man das möchte. (Vgl. Luthers Spruch - Als er eines Tages die Elbe überqueren wollte, wurde er von seinem Freund Philipp Melanchthon gewarnt, der für diesen Tag ein negatives Horoskop berechnet hatte. Luther aber sprach in den Kahn mit den Worten: .Domini sumus!

. Das hat im Lateinischen einen doppelten, antideterministischen
Sinn: .Wir sind des Herrn! . . aber auch: Wir sind Herren!" )
 
metaphorisch:  Das von „GöttIn gemeinte Original“ bleiben wir selbst – ganz individuell und unabhängig von einer Ausdeutung.
 
Sternenfrömmigkeit (WandelSterne = Planeten) gibt es seit Beginn der megalithischen Kreisgraben-Kulturen. Wobei die Kunde erst langsam wuchs. Zunächst beschränkte sie sich im bronzezeitlichen Europa auf Sonne und Mond. Götter- und Märchen-Analogien entstanden, die psychologische Archetypen des Tierkreises beschreiben (Lit. 3).

Einen Entwicklungsschub erhielt Astrologie durch systematisch-vergleichende Planetenbeobachtungen im älteren mesopotamischen Reich (Lit. 1). Hier wurde zuerst die 5-Tage-Woche zu Ehren der mit bloßem Auge sichtbaren Planeten“götter“ eingeführt: (franz.) Mar-di, Mercre-di, Jeu-di, Ven-dredi, Sa-medi (engl. Satur-day)
Im jüngeren babylonischen Reich wurden Ehrentag für Sonne und Mond hinzugefügt. Von hier aus gelangte die 7-Tage-Woche in die Bibel.

M.E. teilt sich die Gewichtung der Aspekte ungefähr so auf: Der Sonnenstand im Tierkreis bestimmt vielleicht 22 % der Gesamtcharakteranalogie. Es folgen der Aszendent, der das Häusersystem festlegt und anführt, mit 20%, dann Mond mit 19%, Merkur 6%, Venus 8%, Mars 8%, Jupiter 5%... Der Rest wird durch die langsamen äußeren „Generationen“- und Klein-Planeten bestimmt, angeführt von Saturn mit 5%. Jeweils in ihrem Zeichen UND dem Haus zu deuten. Eine langsam gewachsene, komplexe Philosophie. Wie in der Akropolis, dem psychologischen "Götterparlament" der griechischen Antike, das abend- und morgenländische Kultur bis ins späte Mittelalter hinein verband.

Um zumindest ihre kulturübergreifend prägende Rolle anzu/erkennen, braucht man nicht gleich automatisch an ihr "funktionieren" zu glauben: ‚Synchronität psychologischer Charakterprinzipien in uns mit den Planetenbahnen’.

Doch WERTET seriöse Astrologie NICHT; schon von ihrem Selbstverständnis her. Scharlatane MISSBRAUCH/TEN sie immer mal wieder. Dennoch kaum mehr, als fast jede andere Religion oder Philosophie der Menschheitsgeschichte auch!
 
 Zitat:
Der Kampf des Gelehrten gegen die Astrologie
 „So können wir Ernst Jünger zustimmen, wenn er sagt: »Der Kampf des Gelehrten gegen die Astrologie hat etwas vom Angriff gegen die Windmühlen. Er hält die Astrologie für eines der Gebäude, in deren Bauplan er bewandert ist. Er misst es an den Maßstäben der Logik und ihres Erkenntnisstils und hält es für schlecht konstruiert. Er übersieht dabei den Unterschied, der zwischen Begriff und Anschauung ... und besonders den, der zwischen Wissen und Weisheit besteht.»“
(Fritz Riemann, Lebenshilfe Astrologie - Gedanken und Erfahrungen, 1976)

Jede Handlung bleibt "freier" menschlicher Wille. Allenfalls die Erklärung innerer Gefühls/Motive, die zu "freien" Handlungen führen, beschäftigt den seriösen Astrologen. Dazu auch psychologische Charakterdeutung.

So sind astrologische Bewertungen, beispielsweise auch von Personalern, eher in den Bereich des MISSBRAUCHS einzuordnen.

Denn beispielsweise kann ein Horoskop nicht verraten, OB jemand für eine Arbeit/Stelle (gut) geeignet ist, sondern allerhöchstens WIE seine innere methodische Art der Herangehensweise an Aufgaben ist... Bekanntlich führen "Verschiedene Wege nach Rom" und können so zu vergleichbar guten Ergebnissen führen.

Z.B. wird eine "Personenbeurteilung" auch mit seriöser Astrologie bzgl. Berufs-Eignungskriterien kaum weiter kommen. Denn das sog. "Sternzeichen", der Sonnenstand, sowie alle Planetenstände am Tag seiner Geburt geben allerhöchsten eine Aussage von 50% der astrol. Charakter-Zutaten an. Auf die Geburtszeit, möglichst auf 5-10 Minuten genau, hätte ein Personalchef ja gar keinen Zugriff!

Und auch dann verrät das beste Kompletthoroskop immer noch nicht, wie sich jemand es versteht, aus den kosmischen "Zutaten" seinen "Kuchen" in Betracht seines psychosozialen Umfelds zu "backen". Der Eine entwickelt aus seinen "Aufgaben" (Kaffeesatzvariante: "schlechte" Seiten) eine hohe Motivation und wurde ein fleißiger Problem-"Berge"-Bezwinger. Ein Anderer ruht sich vielleicht auf zuvielen "kosmischen Geschenken" aus (Zuckerwürfelastrologie: "gut") und faulenzt lieber in seiner seelischen Hängematte...?

Doch eins, behaupte ich, kann man schon sagen =):

"Dass jedes 'Sonnenzeichen' irgendwo einen 20 - 30% Anteil seines archetypischen Charakterbildes ein Stück weit auch in seiner Herangehensweise an Probleme in sich wiederfinden wird. So wie auch seine Neigung und Gefühlswelt… Doch ist so etwas nun "gut"? Oder aber "schlecht"? …Es kommt doch darauf an, wie man gelernt hat seine Eigenschaften positiv, d.h. sinnvoll, für die Gemeinschaft einzubringen…

WIE man es nach außen hin zu zeigen gelernt hat, bzw. anwendet, auf welchem Gebiet, ob im Beruf zur (positiven) Problemlösung oder doch mehr im Privatleben auf der suche zur idealen Moral, steht auf anderen Blättern des Lebens, vielleicht ansatzweise auch in seinem Kompletthoroskop…(?)

Merke: DAS ORIGINAL BLEIBST IMMER DU SELBST (es gibt nur vielleicht bessere oder schlechtere, oder auch völlig verkehrte Deutungen)


Astrologie preiswert aus dem Computer?

Wer für den Einstieg mal neugierig wäre: Gratis-Schnupperhoroskope gibt es z.B. bei astro.com.Man sollte jedoch berücksichtigen, dass der Computer die einzelnen Aspekte nur hintereinander aufreiht und eine Zusammenschau fehlt. Auch in einem bezahlten, ausführlicheren Computer-Horoskop. Denn solche Computer-Textblöcke sind natürlich von Menschen geschrieben worden, also prinzipiell nicht immer objektiv. …Seriöse Astrologen vermeiden jedoch wertende Ausdrücke. Anstatt "schlecht" oder "gut", beschreiben sie Aspekte lieber durch "Aufgaben" und "Geschenke"... So kann doch ein Leben mit Aufgaben manchmal interessanter und "wertvoller" als eines mit zu vielen Geschenken sein?
„Zutaten“ aus den Planetenprinzipien sind zwar beschreibbar, wie der daraus gebackene „Kuchen“ dann aber insgesamt schmeckt, ist zum Glück eher nicht vorhersagbar.Doch gibt es leider auch missverständliche und sehr falsche Ausdeutungen. Genauso ihren Missbrauch durch abergläubig machende Glücksverheißungen oder Unglücksprophezeiungen.Allerdings wäre ihr -im schlimmsten Falle abhängig machendes- Potential auch kaum größer, als -theoretisch- bei fast jedem anderen Glauben auch.
Über bloße Aneinanderreihung von Aspekten eines Computers hinaus, hat leider nur ein mehr oder weniger kundiger Astrologe die Chance, eine thematische Gesamtschau als sog. Synthese des Charakterhoroskops zu versuchen. Doch auch die wird immer ein irgendwo unvollständiger Entwurf bleiben.