ev.-bischöfliche Antwort zu Astrologie und Hexen/denkmal

Pentagramm am Turm der Marktkirche Hannover (ein schön erklärender Link der Markt-Kirchengemeinde ist inzwischen leider unzugänglich geworden!)
- weiterführende Infos zum Thema Hexenverfolgung vergleiche Anton Praetorius !
hiernach eine Antwort der ev. Präses von Westfalen zum Hexendenkmal vor der Reinoldikirche
Datum: Fri, 20 Jul 2012 09:27:00 +0200
Von: V.v.B.@lka.ekvw.de
An: Martin Lindemann
Betreff: Astrologie und Hexenverfolgung

Sehr geehrter Herr Lindemann,

am 16. Juni haben Sie Präses K. eine E-Mail geschrieben, in der
Sie Ihre Einstellungen zu Astrologie und Hexenverfolgung grundsätzlich
dargestellt haben - ausgehend von Ihrer Einschätzung, dass ein
Hexendenkmal in unmittelbarer Nähe der Dortmunder St. Reinoldi-Kirche
notwendig ist.

Präses K. dankt Ihnen für Ihre positiven Worte über Ihre
Dortmunder Pfingstpredigt und für die Mühen, die Sie sich mit der
Abfassung der Mail gemacht haben. Sie hat mich als theologischen
Dezernenten im Landeskirchenamt gebeten, Ihnen darauf zu antworten.

Wir haben mit Interesse Ihren Versuch einer theologischen Würdigung der
Astrologie wahrgenommen. Wie Sie selbst schreiben, ist die Haltung der
Reformatoren dazu nicht eindeutig gewesen - während Melanchthon sie eher
positiv betrachtete, lehnte Luther sie strikt ab. Wir schließen uns der
Einschätzung der Astrologie an, wie sie die Evangelische Zentralstelle
für Weltanschauungsfragen unter http://www.ezw-berlin.de/html/3_135.php veröffentlicht hat...

Berühmt wurde die Donar-Eiche von Geismar einem Dorf in Hessen, die der Mönch Bonifatius im (723)8.Jh. fällte, als er im Auftrag und mit militärischer Hilfe der Karolinger-Könige die Zwangsmissionierung der Germanen einleitete. Aus dem Holz dieser Eiche wurde eine Kirche gebaut. So wurde die Eiche ein Symbol für den Niedergang der germanischen Mythologie und das Ende der Baumverehrung.


...Grundsätzlich ist richtig, dass das Thema Hexenverfolgung eines ist,
dass auch (nicht nur) für die Kirche kritischer Aufarbeitung bedarf,
weil sich hier ein Teil der kirchlichen Schuldgeschichte widerspiegelt.
Die Frage, ob in der unmittelbaren Nähe zur Dortmunder St.
Reinoldi-Kirche ein Denkmal wider die Hexenverfolgung stehen sollte oder
nicht, ist nicht vom Landeskirchenamt aus zu entscheiden, sondern Sache
der Gemeinde bzw. des Kirchenkreises. Ich gehe davon aus, dass der
Superintendent und die Pfarrer bzw. Pfarrerinnen Ihnen entsprechend
geantwortet haben werden.

Mit freundlichen Grüßen,
V.v.B.

Evangelische Kirche von Westfalen - Das Landeskirchenamt -
xxxx

meine Antwort hierauf:

Herzlichen Dank!
Für Ihre ausführliche Antwort und den hochinteressanten Ekd-Link zu Astrologie-geschichtlich, Herr v. B.
Zwei kleine Anmerkungen zur zusammenfassenden 'Einschätzung' in dem Link http://www.ezw-berlin.de/html/3_135.php möchte ich zurück geben dürfen.

darin zum:

1. Stichwort "Prognosen".

Im Sinne von Zukunftsdeutungen KÖNNEN sie sich naturgemäß sowieso nicht erfüllen, da der Mensch -bei allen Neigungen- immer noch frei handelt. Dies unterscheidet sich faktisch nicht von dem, wie es der EKD-Satz "Statt Sicherheit in astrologischen Berechnungen sucht der christliche Glaube Freiheit im (Anm.: gefühlten) Vertrauen." formuliert.

Das unerklärliche Phänonen der Planeten/bahnen beschreibt der ev. Theologe und Mathematiker J. Kepler so: "Die Sterne (Planeten) zwingen nicht, aber sie machen (den Charakter) geneigt." Dem ist nichts hinzuzufügen. Alles andere geht in die Richtung der leider allzu oft immer noch mißbräuchlich benutzten Vorhersage-Astrologie.

2. zu "Aus astronomischer Sicht ist zu kritisieren, dass die Astrologie mit falschen Vorstellungen der astronomischen Verhältnisse am Himmel arbeitet und neue astronomische Kenntnisse nicht aufnimmt."

Das trifft für die westliche Astrologie aber nicht zu! Seit hunderten von Jahren ist die Präzession der Sternbilder bekannt (das Fortschreiten der Sternbilder alle ca. 2100 Jahre um 1 Zeichen). Der imaginäre Tierkreis hingegen bezieht sich auf Erd(&Planeten)positionen im jahreszeitlichen Verlauf innerhalb des Sonnensystems, dass sich alle ca. 26000 Jahre einmal um die eigenen Achse dreht.

Mit hochachtungsvollen Grüßen,

Martin Lindemann

---ursprüngliche Email an Frau Präses K. -----------------

-offene Email-

Sehr geehrte Frau Präses K.,

sehr geehrte Dortmunder PfarrerInnen DoMiNo,

sehr geehrter Herr Superintendent des Kirchenkreises DoMiNo,

weil ich bis heute nicht weiß, ob mein offener Email-Brief vom 29.Mai 2012 Sie alle persönlich erreicht hat, hier noch einmal eine kurze schlüssige Herleitung, weshalb Hexendenkmäler thematisch unbedingt (vorrangig auch) in die Nähe großer protestantischer Kirchen aus dem 16./17. Jahrhundert gehören.


Auf Seite 93 (s. Anhang aus 3) kopiert) beschreibt Alfons Rosenberg Luthers "naiven Glauben an den Weltuntergang". Er lehnte mehr aus psychologischen als theologischen Gründen die damalige "Astrologie als Erfindung des Teufels" ab. - In der Tat wurde damalige, oftmals unseriöse Volks/Astrologie allzu häufig mißbräuchlich verwendet. Jedoch nicht mehr, aber auch kaum weniger, als kirchenchristlicher Glaube des 16./17. Jahrhunderts auch..(!) - Wohin gegen Luthers Freund Philipp Melanchton, ein Mitstreiter der Reformation, ebenso wie später der Theologe und Mathematiker Johannes Kepler große Verdienste auch an einer 'Reformation antiker Astrologie' hatten.

Luthers naive Ablehnung der "Astrologie als Teufelswerk" war es wohl, die auch zu seiner berühmten Hexenpredigt führte. In der er die Gültigkeit der Aussage des Alten Testaments „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“ (Ex 22,17 LUT) nochmals bekräftigte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung

1581 in Dortmund hörten sicherlich die meisten Mitglieder des neuen reformatorischen Wandschneider-Stadtrats ihrem Ratskollegen, dem Pfarrherrn von St. Reinoldi, in der Kirche sonntags sehr aufmerksam zu.. Wenn -sicherlich nicht allein- er seine neuprotestantischen Lebensverbote zu gotteslästerlichen Freuden, wie z.B. alles Singen, Tanzen und ausgelassenen Scherzen an städtischen Schulen zu predigen pflegte. So wie eine allzu strenge, lutherische Zeitgeistwende des Umbruchs (nach vorangegangenen, zwischeneiszeitlichen Pestwellen) ein "erneuertes" Gottesverständnis der "sündigen" Welt nun abverlangte.

Natürlich war es zu allererst RELIGIÖS-orthodoxes Un/Verständnis, wenn man/n Hexen nun folterte und teils auch verb(r)annte. Davon heute abzulenken, indem nun kirchlicherseits von St. Reinoldi-Dortmund aus versucht wird, solche Exzesse der damals "überwiegend weltlichen Volks/Justiz" anzulasten, zeugt von einem völlig geschichtlosen Religionsverständnis eines christlichen Monotheismus. Gerade welcher jedoch erst der Boden einer hysterischen (Teufels)Angst verbreitete und somit direkt und indirekt staatlicher Gewalt zu ihrer -nahezu- unbegrenzten Machtfülle verhalf. Auch indem er, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, das Volk in religiös-mißbrauchbarem Teufels/Aberglauben festhielt.

Insofern gehört ein jedes Hexendenkmal auch in unmittelbare Nähe zur (Reinoldi/)Kirche!
http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article13899733/Kirche-sabotiert-Hexendenkmal-in-ihrer-Nachbarschaft.html

Gibt es hierzu auch einmal eine andere kirchliche Rückmeldungen als allzumeist nur 'Schweigen'?

Immerhin hatte der inzwischen verabschiedete Präses, Herr Buß, (m)eine astrologischen BeDeutung von Leonardo da Vincis Abendmahl (2,3) immerhin im Jahr 2002 mit "..interessant, aber viele Fragezeichen" zurück kommentiert!

mit herzlichen Grüßen,

Martin Lindemann


Anlagen:
-------- Rückmeldung-zur-Dortmunder-Pfingstpredigt der Präses------
Datum: Tue, 29 May 2012 12:07:54 +0200
Von: martinlindemann@xyz.de
An: sekretariat_praeses@xyz.de
Betreff: Rev.1 Rückmeldung zu Ihrer (überwiegend) schönen Dortmunder Pfingstpredigt

Abs.: Martin Lindemann, Dortmund, den 29.5.2012


Sehr geehrte Frau Präses K.,

Pfingstsonntag habe ich Ihrer Predigt in der Dortmunder St. Reinoldi Kirche gelauscht und bin dabei Ihren Worten dicht gefolgt. Sie können wirklich wunderschön predigen! - Bis auf einen der Schlusssätze, in dem Sie -sinngemäß- anmahnten, "wie die Urchristen den Auftrag zur 'Wahrsagung' ernstzunehmen, aber eben im 'kirchenchristlichen' Sinne und nicht im (heidnisch-) wahrsagerischen..".

Solche eine Pfingstinterpretation aber ist zwar kirchlichereits sehr verständlich ..doch ist sie nicht gleichermaßen auch eine Anmaßung kirchlicher Deutungshoheit in göttlich-ganzheitlicher Welt??

So habe ich, Chemieingenieur Jahrg. 1957, mich in meiner Freizeit über 12 Jahre lang mit heidnischer UND christlicher kultureller Astronomie (=Astrologie) tiefergehend beschäftigt. Dabei fand und prüfte ich und habe leider auch viel mißbrauchbaren Unsinn gefunden. Wie z.B. Zukunftswahrsagerei, die im Konkreten einfach (mehr oder weniger) unmöglich bleibt! Denn wir Menschen bleiben in unseren Handlungen relativ frei! Dennoch kann man darüber hinaus erkennen, wie es schon der große protestantische Theologe, Mathematiker und Astronom/Astrologe Johannes Kepler erkannte: "zwingen die Sterne (/Planeten - zwar) nicht, aber sie machen (den individuellen Charakter) g e n e i g t ." - Keplers Mutter wurde der Hexerei angeklagt, gefoltert und starbt kurz nach ihrer Freilassung aus dem Kerker.

So gibt aber s e r i ö s e Astrologie*), die heidnisch-christlich gewachsene Archetypenpsychologie der Mesopotamier, Ägypter, Griechen und der 'Stern/e von Bethlehem' **) einen m.E. hervorragenden Einblick in die individuelle Einzigartigkeit menschlicher Seele wieder; in "Götter"-Märchen/Metaphern gespiegelt.
**)Hier gedeutet von Dieter Koch, einem der wissendsten Athropologen und Astrologen heutiger Zeit http://www.astro.com/astrologie/xstar_g.htm

Genau so verstand es auch Leonardo da Vinci, als er sein Werk vom 'Letzten Abendmahl' schuf. Indem er nach ptolemaeisch-antiker "Wahrsagungs"& Weltbild-Tradition die 12 Jünger in ihrer Gestik und Mimik der Reihe nach entsprechend der Tierkreiszeichen ausgestaltete!
(Vgl. www.astrologischesabendmahl.oyla.de oder weiterführend das neue einführende Buch der Dortmunder Pfarrersfrau Christine Lindemann
*) 'Die Handschrift Gottes lesen - Astrologie'; u.a. mit Fotos von astrologischen Kirchenuhren aus dem 14. Jahrhundert, z.b. im Dom zu Münster und in der Marienkirche zu Stendal, usw.)

Wie unten angehängt, beabsichtigte ich im März diesen Jahres -trotz noch marginaler Differenzen- wieder in die ev. Kirche einzutreten! (2006 trat ich wg. 1. des Schweigens auch der ev. Kirche zu Afghanistan sowie 2. Differenzen zwischen Kirchenchristentum und christlich/heidnisch astrologisch-spiritueller Weltsicht aus.) Hätte mir Frau Pfarrerin Konieczny jetzt im März nicht eröffnen müssen, dass ein vor vor ca. 15 Jahren gefasster Beschluss zu einem Hexendenkmal neben St. Reinoldi nicht erst kürzlich wieder rückgängig gemacht worden war, wäre ich jetzt schon wieder eingetreten und Mitglied der ev. Landeskirche.

So hatte ich aber Pfingsten nicht mehr am gemeinsamen Abendmahl mit Ihnen teilnehmen können. Stattdessen demonstrierte ich, nach Ihrer -bis auf die Bemerkung zur "Wahrsagungs-Hoheit"- gelungenen Predigt, nun vor dem Kirchenausgang gegen den 'Beschluss der Kirche gegen das Hexendenkmal in ihrer Nähe'! http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article13899733/Kirche-sabotiert-Hexendenkmal-in-ihrer-Nachbarschaft.html
Den Inhalt des Demo-Plakates können auch Sie gern nachstehend einmal entnehmen.

Auch im Sinne auch einer Hildegard von Bingen, eines Philip Melanchthon oder eines (heutigen) Pater Gerhard Voss (Buch: Astrologie christlich) bitte ich die evangelische Kirche, seriöse sogenannte "Hexen-Magie" nicht von vornherein erneut zu stigmatisieren, sondern vielleicht einmal auch kritisch auf ihre -in seriöseren Formen- der Naturheilkunde und Naturpsychologie von vielen Menschen an/e r k a n n t e Heil/Wirkung kultur/kritisch hin zu betrachten, zu hinterfragen und ggf. auch zu untersuchen..


mit herzlichen und freundlichen Grüßen,


Martin Lindemann


persönliche Arbeitsschriften/ allgem. Literatur:

1) www.astrologischesabendmahl.oyla.de , neu: www.astrologischesabendmahl.de
2) http://pathfinder.oyla14.de/
3) Zeichen am Himmel, Alfons Rosenberg - kulturhistorisches Sachbuch über Astrologie
4) Astrologie christlich, Pater Gerhard Voss
5) Die Handschrift Gottes lesen - Astrologie, Christine Lindemann - auch kulturhistorisch-christlich; u.a. mit Fotos astrologischer Kirchenuhren im Dom zu Münster, Marienkirche zu Stendal, Straßburger Münster, usw.
6) Der tiefe Brunnen - Märchen und Astrologie von dem Psychologen und Familientherapeuten Claus Riemann - klassische griechische und weltweite Märchen, mit ein paar praktisch anwendbaren Deutungsmuster