Ein Weg entsteht indem man ihn geht, Hildegard.v.Bingen,13.Jhdt

   

© artwork studios, Tushita.com; mit freundlicher Ausnahme-Genehmigung des Verlags

 

Vorspann zum Predigt-Schauspiel:

 3. Advent, schon 16:30 Uhr. Jetzt aber schnell, ich muss los! In die Nordstadt hinein. Dort, in der Kirchenstraße, erscheint heute alles etwas dunkler und spärlicher beleuchtet als sonst. Doch da, am Seiteneingang zischt kreiselndes Feuer. Wie 'gothisch' fühl ich mich in den Bann gezogen. Schon wieder! Ein Feuerball brüllt auf. Fackelballet - drei zauberhafte Feuerfeen im schwarzen Dress, mal ruhig, dann wieder kreiselnd tanzen. Die vierte im Bund wird heute christlich getauft. Geboren vor über 20 Jahren hinter 'Der' Mauer und Zäunen, erfordert es hier und jetzt ein doch auch beruflicher Anlass. Wogegen - ganz eigenständig gestaltet, fällt 'Glauben bekennen' heute gar nicht mehr schwer. Ihre Compagnie 'FanFire' und viele Freu/n/de hat sie ja gleich mitgebracht.

Glühwein- und Waffelduft liegen in der Luft. Da geht es jetzt durch ins Kirchenschiff. Ein Weihnachtsbaum erstrahlt. Gospels erfüllen den Raum. ...Irgendwann steht plötzlich "Else Stratmann" da rum. Mit dem Micro in der Hand. Und der neuesten 'Für Sie'. Fängt sie an, über Sinn und Unsinn des neuesten Klatschhoroskops zu lamentieren: "...ja, wenn ick darin wenigstens mal vorhersehen könnte, wann denn meine Schwiegermutter dat nächste Mal unangemeldet anrollt. Wissen'se, die geht bei mir ja immer mit'm Finger über de Schränke und guckt nach'm Staub. - So'ne Vorhersage, dat würd ja noch helfen."

Sanfte Musik erfüllt nun die Kirche. Magische Sternenwelten aus Tiefen des Alls erscheinen an der Wand. Bilder mit dem Hubbleteleskop.  -  Nach einer Weile unterbricht aus dem Off, einer Tür, leise rockender Technosound. Zufriedenes Stöhnen... Pfarrer Lake. stolpert in Jogginghose aus seinem Fitnesskeller. Den nacktem Oberkörper trocknet er am Handtuch ab und streift den Bademantel über. Mit Wein und Zeitung fläzt er sich auf's Sofa und beginnt ebenfalls zu lamentieren: "nur noch SECHSZEHN Stunden bis zum Weihnachtsgottesdienst ...'Stern von Bethlehem'. Was fang ich damit nur an, was - besser WIE - sag ich's bloß meiner Gemeinde?"

Er blättert zur Ablenkung in der Zeitschrift und stoppt bei der Rubrik: Dein Horoskop: "Na, dann lese ich doch mal das Horoskop meiner Frau ...neue Liebe? - Aha", entfährt es ihm. "Aber... das kann doch gar nicht sein! Sollte ich mich denn so sehr irren?"

Plötzlich zischt Nebel hoch. Ein Mann im magischen Glitzergewand, eine Krone auf dem Kopf, erscheint hinter ihm. Oder - doch nicht etwa eine Frau...?  Lake erschrickt. "Was machen Sie denn hier? Wie kommen Sie denn hier eigentlich rein? Bitte verlassen Sie sofort meine Wohnung!" ...Sie? - - Sie kommt aus Babylon; aus einer anderen Zeit!

 

 GottesdienstSkriptfassung (copyright ev. Lydia-Kirchengemeinde Dortmund):

Folge deinem Stern! – Schauspiel im „Talk to heaven“

am 13. Dezember 2009 in der Dortmunder Pauluskirche

1 Sessel, 1 Hocker, 1 kleinen Tisch mit Weinflasche und 2 Weingläser (eines im Hintergrund), Laptop, Fernsehzeitschrift. Bibel. Nebelmaschine.

Im Hintergrund (Sakristei) ist eine Musikanlage.

Musik mit schneller Musik an bei der Musikanlage. Nach 10 Sekunden Musik aus.

F:                    (aus dem Hintergrund) So. Jetzt muss ich unbedingt noch die Weihnachtspredigt fertig kriegen (guckt auf die Uhr). Nur noch 11 Stunden. Dabei ist es schon so spät.

Fr. (F) kommt mit Sporthose, Handtuch um den Hals gehängt. Zieht Sportschuhe aus und Schlappen an. Legt sich Bademantel um und setzt sich in seinen Sessel, legt die Beine hoch, macht eine Flasche Wein auf und nimmt den Laptop auf den Schoß.

F:                     Aber mit dem Sport, das musste jetzt echt noch sein. Nach so einem langen Tag. ´N bisschen Bewegung , damit der Denkapparat noch mal richtig angekurbelt wird. Das tut gut! Na ja, Bock habe ich nicht gerade, jetzt noch die Predigt zu schreiben. Aber wenn ich mir den Terminplan morgen anschaue… Nutzt nichts, da muss ich jetzt ran.

Der Stern von Bethlehem. Da sind die Jugendlichen drauf gekommen, die haben dafür ein Anspiel gemacht. Jetzt muss ich was dazu schreiben. Stern, Wegweiser. Irgend so was. Dabei weiß ich doch gar nicht, ob´s den überhaupt wirklich gab. Kann ja auch ´ne Erfindung gewesen sein. Ich guck lieber gar nicht erst nach in irgendwelchen schlauen Büchern. Da kommt eh nix raus. Und was andere meiner Spezies, also Theologen darüber geschrieben haben, na ja.

(Trinkt einen Schluck Wein, sieht die Zeitung, nimmt sie) Guck mal einer an, da ist ja auch was zum Thema. „Sterne lügen nicht“. Na ja, ich weiß ja nicht. Das ist doch Stuss. Aber mal sehen, was die so über mich schreiben. „Krebs – Stürmische Zeiten stehen ihnen bevor. Bevor der Höhepunkt der Krise da ist, wenden Sie das Ruder rechtzeitig um, sonst kann es ins Auge gehen.“

Was soll das denn für´ n Mist sein. O.k. Ich kann ja mal gucken, was bei meiner Frau steht. Was ist sie denn noch gleich, ach ja. Hier: „Neue Bekanntschaften bringen neues Glück. Nur Mut zu neuen Schritten.“ Hey, das ist doch nicht zu fassen. Das klingt ja nach ´ner Beziehungskrise. Und bei meiner Frau soll sich was neues anbahnen? Wie soll ich das denn verstehen?

Ich wusste ja gleich, dass das Blödsinn ist.

Aber was sag ich meiner Gemeinde? Wie sag ich´s meinem Kinde? Die fahren da doch so drauf ab auf den Stern. Letztens hatten wir einen Basar. Da gab´s hunderte von Kinderbüchern. Ganz viel zum Thema Stern. Ohne den Stern wäre Weihnachten undenkbar. (steht auf und nimmt einen Stern vom Baum.) Die Sterne hängen überall am Weihnachtsbaum. Da kann ich ja schlecht was von einem Sternenmythos erzählen.

Was steht denn noch mal in der Bibel (fängt an, den biblischen Text zu lesen):

„Als Jesus geboren war, seht, da kamen königliche Weise aus dem Osten nach Jerusalem. Sie sagten: wo ist der neugeborene König des jüdischen Volkes? Wir haben seinen Stern im Osten aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ Hm. Die kamen sicher aus dem heutigen Iran oder Irak. Aber, wie sind die darauf gekommen, dass in Israel ein neugeborener König zu finden ist? Eine solche Reise macht doch keiner einfach so. Vielleicht hatten sie ja einen Traum.

Naja, mir hat noch nie einer was im Traum gesagt.

Nebel, Weiser 1 tritt auf.

W1:                 Mir schon.

F:                     Wer sind Sie denn? (springt auf)  Mein Gott, wie sind Sie denn hier rein gekommen? (rennt nach hinten) Die Haustür ist doch abgeschlossen, selbst die Tür zum Garten ist zu. Was wollen Sie? Und wie sehen Sie eigentlich aus? Sie fehlen mir gerade noch!

W1:                  Darum bin ich ja hier.

F:                     Wie bitte?

W1:                  Ich will Licht in deine Dunkelheit bringen.

F:                     Ein Irrer! Das kann ich jetzt nicht brauchen. Ich muss meine Predigt für morgen fertig schreiben. (setzt sich) Gehen Sie!

W1:                 Aber ich komme doch in deiner Predigt vor.

F:                    Wie bitte??

W1:                 Du wolltest doch wissen, warum wir so doof waren los zu ziehen und einem Stern zu folgen über hunderte von Meilen. Das meintest du doch eben?

F:                    Woher wissen Sie…

W1:                 Ich bin einer der Weisen. Ich muss es doch wissen. Obwohl. Ich bin mir mit meinem Kollegen da nicht so ganz einig.

F:                     Wer sind Sie?

W1:                  Gestatten, el Melechkim ( gibt F. die Hand). Auch Melchior genannt. Sterndeuter meines Fachs. Das war schon aufregend damals. Ich war schon über 30 Jahre im Geschäft, aber so was hatte ich noch nicht gesehen. Dabei guckte ich mir Nacht für Nacht den Himmel an. Ich meinte, alles zu wissen über die Sterne. Aber das war wirklich ungewöhnlich. Es war 7 v. Chr., ich weiß es noch genau. Am 5. Juni zum ersten Mal. Wenn ich zum Sternbild Fische hinsah, konnte ich es sehen: 2 Sterne standen dicht beieinander: Jupiter und Saturn. Das war eine Königskonjunktion.

F:                  Was ist daran so besonders? Das gibt es doch sicher öfter. Überhaupt – eine Königs-was?

W1:                 In dem Jahr passierte das noch drei Mal. Im Juni ging ich mit 2 Kollegen los. Und die Königskonjunktion besagt, dass diese Sterne etwas mit einem König zu tun hatten. Für unser Volk hatten Sterne eine hohe Bedeutung, das Sternbild Fische wurde dem Königreich Israel zu geordnet. Also dort würde etwas Außerordentliches geschehen. Jupiter bedeutete für uns der höchste Gott Marduk. Und Saturn stand für einen König in Judäa. Der höchste Gott würde sich also mit einem König verbinden. Und das in Israel.

F:                    Und dafür läuft man hunderte von Kilometern? (steht auf und holt von hinten ein weiteres Weinglas) 

W1:                 Verstehst du denn nicht? Wir erwarteten einen Gottkönig, den Gottkönig überhaupt. Noch zweimal standen Jupiter und Saturn sich so nah im Sternbild der Fische. (F. bietet das Weinglas W1 an) – Nein, danke. Ich trinke nicht. –

Im September und im Dezember, kurz bevor wir in Jerusalem waren.

F:                    Und die anderen wussten nichts? (nimmt die Bibel) Hier steht (liest): Als König Herodes davon hörte, erschrak er zutiefst – und ganz Jerusalem auch.“ Haben das die anderen nicht gesehen und erkannt?

W1:                 Es waren ja nicht alle Astrologen oder Astronomen wie wir. Natürlich haben die Leute irgendwas gesehen. Es hat sich aber keiner mit den Sternen beschäftigt -das galt ja als Gotteslästerung.

F:                    Naja, heute ich das nicht mehr so. Heute ist das Esoterik.

W1:                  Für uns Babylonier sind die Sterne Götter. Wir lesen vieles aus den Sternen ab. Wir halten uns an eine bestimmte Ordnung, die wir am Himmel sehen. Für die Juden gibt es nur den einen Gott der Tora. Oder man könnte auch sagen, den Gott des Buches.

F:                     Ja, aber ist das denn falsch? (setzt sich)

W1:                   Ich rede nicht von falsch oder richtig, mein Freund. Unser Wissen sagt uns nur, dass alles zusammen hängt. Was oben am Himmel geschieht, was auf der Erde geschieht. Was die Menschen im Innern bewegt. Wir wissen: hier bewegt sich etwas, hier geschieht etwas: am Himmel verbinden sich 2 gegensätzliche Sterne, immer wieder. Gott und Mensch/ Gott und König. Immer wieder. Gott wird Mensch. Ein Gottkönig wird geboren.

F:                      Das haben ja wohl auch die Schriftgelehrten gewusst. Hier: „Er, also Herodes, berief eine Versammlung aller Hohepriester und Toragelehrten aus dem Volk, um von ihnen zu erfahren, wo der Messias geboren werden sollte… in Bethlehem in Judäa. „

W1:                   Ja. Sie wussten nur nicht wann. Das wussten wir.

F:                      Also sehe ich das richtig: die Schrift – was für uns heute die Bibel ist – reichte nicht? Dafür muss man in die Sterne gucken? Wer weiß, vielleicht verpasse ich ja gerade Jesu Wiederkunft, nur, weil ich nicht in die Sterne gucke…

W1:                   Na, die wirst du wohl anders mitbekommen. Eher verpasst du wohl was in dir.

F:                      Mich interessiert nicht, was da in den Sternen steht. Hier, guck selbst. Das habe ich gerade über mich gelesen (gibt W1 die Zeitschrift) – und das steht da über meine Frau!

W1:                   (sieht sich die Zeitschrift an) - Diese Wissenschaft ist mir fremd. Die kenne ich nicht. Und es wäre keiner von uns darauf gekommen, aus den Sternbildern ab zu lesen, was man tun oder lassen soll geschweige denn, etwas über die Zukunft zu erfahren. Das Jetzt und Hier ist wichtig (gibt F. die Zeitschrift zurück).

F:                      Dazu brauche ich keine Sterne.

W1:                   Natürlich nicht. Aber wir brauchten unseren Stern von Bethlehem. Oder sollte ich besser sagen: seinen Stern, um ihn zu entdecken.

F:                      Also, das würde mich jetzt mal interessieren. Ihr habt doch einen König gesucht. Und dann stand dieser Stern – o.k., Sternenkonjunktion – über einem schmuddeligen Stall mit einer ziemlich armen Familie. Nur ´n paar ausgestoßene Hirten mit ihren Schafen. Habt ihr nicht spätestens da gezweifelt und gedacht, dass der Griff zu den Sternen nichts bringt?

W1:                   Wir wussten es, nur er konnte es sein. Denn der Stern blieb stehen, wurde rückläufig. Und als wir das Kind sahen, wussten wir: das ist es, nach dem wir so lange gesucht haben. Wir hatten es gefunden. Wir mussten diesen Weg gehen, unseren Weg, um zu diesem göttlichen Kind zu finden.

Nebel, Weiser2 taucht auf.

W2:                  Also. Da muss ich noch was ergänzen.

F:                     Wie, wer sind Sie (springt auf), wo kommen Sie jetzt her?

 W2:                 Ich bin nicht ganz einverstanden. Wir waren doch noch gar nicht am Ziel. Das kam doch erst viel später!

Aber: Entschuldigung!   (gibt Friedrich die Hand): Bel El Sazzer. Balthasar. Entschuldigung, dass ich hier so rein platze. Aber für mich sah der Stern eher wie die aufgehende Venus auf – Venus im Zeichen der Jungfrau.

F:                     Wie bitte?

W2: .                 Der Abendstern wurde zum Morgenstern. Die Venus erschien am östlichen Morgenhimmel – eine besondere Geburt stand bevor. Immer morgens habe ich ihn gesehen und konnte ihm folgen. Es ist der Stern der Liebe. Was diese Geburt bedeutete, haben wir erst viel später gesehen. Das Kind wuchs auf und wurde zu einem Bild der Liebe. Es war das Licht, das in die Welt gekommen ist. Das Kind brachte den Traum mit von Gottes Reich der Liebe und pflanzte ihn in die Herzen der Menschen.

F:                     Also erst Jupiter und Saturn, jetzt die Venus.(setzt sich wieder)  Ihr wollt mir doch wohl nicht sagen, dass ihr völlig verschiedenen Sternen oder „Sternbildern“ gefolgt seid?

W1:                  Unsere Reise war nicht immer einfach, wie du dir vorstellen kannst. Aber, wie auch immer, wir sind irgendwann gemeinsam angekommen. Wir haben gerechnet, es aber auch in uns gesehen und gefühlt und sind dann einfach los gegangen. Jeder auf seine Weise.

F:                     Was soll ich denn jetzt den Leuten erzählen? (steht wieder auf) Ja, also in der Nacht vor Heiligabend 2009 da kamen zu mir so zwei Typen in langen Gewändern, glaubten, die heiligen drei Könige oder Weisen zu sein, erzählten mir was über Sterndeutung und so. Was meint ihr, was die denken? Die denken doch: der Pfarrer hat sich kurz vor Heiligabend zulaufen lassen.

Ich muss denen doch was sagen, was mit ihnen heute zu tun hat. Denen kann ich nicht mit Sternenkitsch kommen.

W1:                  Ich versuche doch schon die ganze Zeit, dir zu erklären, dass unsere Beobachtungen am Himmel was mit jedem von uns auf der Erde zu tun haben.

                          Du suchst den Weg in dem Buch (hebt die Bibel an). Aber du wirst ihn dort nicht finden, wenn du nur liest. Du musst auch gucken, was um dich herum geschieht. Du musst alles in deinem Herzen bewegen.

                          (F. setzt sich wieder)

 W2:                   Das Kind der Liebe will neu zur Welt kommen. Immer wieder. So wie die Venus. Und es will in dir die Saat der Liebe pflanzen. War es nicht ein besonderer Mensch? Er hat auf Gewalt verzichtet, einen Tod erlitten, der einen Umsturz hervorgebracht hat, einen Umsturz der Liebe…

                          Das Christentum konnte nur entstehen, weil so viele es ihm nach gemacht haben – die Christen wurden verfolgt, wurden geschlagen und haben sich nicht gewehrt. Stattdessen haben sie ihren Feinden vergeben. Nur darum ist es heute noch lebendig. Das ist die dauernde Auferstehung. Der Stern, der am Himmel aufging, weist auch hin auf die Auferstehung.

W1:                   Jeder kann dieses Kind entdecken. Ganz neu. Du musst nur deinem Stern folgen.

F:                     Hä, welchem Stern??

W1:                   Du bist mit deinem Stern geboren. Zu einer bestimmten Zeit.

F1:                   (hebt das Glas und den Stern vom Weihnachtsbaum; singt für sich:) „Einen Stern, der meinen Namen trägt…“

 W1:                  Na, so ähnlich! Was da am Himmel war, prägt dich. Es ist wie ein Fingerabdruck, wie deine Handschrift. Du kannst aus deinen Sternen etwas über deinen Grundcharakter lernen. Mehr allerdings auch nicht. Sie sagen dir nicht, was du tun oder lassen sollst. Du gehst deinen Weg, du allein bestimmst ihn.

F:                     Dann gibt es auch nicht so etwas wie eine Vorherbestimmung?

W2:                  Sicher nicht so, dass der genaue Weg deines Lebens schon festgelegt ist. Es gibt zum Beispiel immer wieder eine Chance im Leben, immer wieder öffnet sich für dich eine Tür. Manchmal kann man allerdings im Nachhinein sagen: ich habe meine Begabungen gelebt und stelle fest, ich bin dabei einer inneren Stimme gefolgt. Ich wurde offensichtlich auch geführt.

F:                    Also, was soll ich jetzt den Leuten sagen? Folgt einem unscheinbaren Stern und ihr werdet den Retter sehen?

W2:                 Ich würde sagen: schau, wo dein Stern ist. Dein Glanz, die Schönheit Gottes, die in dir ist. Bringe sie zum Strahlen. Und dann folge deinem Stern, dann bist du dem Retter, dem Kind der Liebe ganz nah.

F:                    Hm. Klingt eigentlich nicht schlecht. (nachdenklich)  In dir strahlt ein Stern auf. Du hast die Möglichkeit, deinen Weg zu gehen, egal wer du bist, was du erreicht hast in deinem Leben oder was nicht, ob du eine Arbeit hast oder nicht, du hast deine Möglichkeiten. Du wirst auf deinem Weg gebraucht und geliebt. Folge deinen Impulsen, deiner Intuition, lebe die Liebe. Dann strahlt das Kind in dir!

W1:                 In einem jeden steckt etwas von den verlorenen Hirten, den singenden Engeln. Und das Kind will immer wieder neu gesucht und gefunden werden, eigentlich sogar jeden Tag.

F:                    Ja, das erinnert mich an einen Spruch von einem weisen Menschen, der einmal gesagt hat: Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren. Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir; suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.

W2:                 Nenn es das innere Kind, nenn es „Heiliger Geist“ – wie eure Kirchen sagen. Oder Kraft Gottes, Energie, die in uns wirkt. Gott will in uns zur Welt kommen. Weihnachten ist das Fest der Liebe, es will uns darin stärken, die Suche nicht auf zu geben.

F:                     Damit hat eure „Astrologie“ aber nichts mehr zu tun!

W1:                  Warum nicht?

Auch sie kann für Menschen zu einer Leuchtspur werden, wenn sie sich ernsthaft damit auseinandersetzen. Eine Spur neben anderen, um ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu leben. Das hat aber nichts mit diesem hier (hebt das Fernsehmagazin auf) zu tun.

F:                     Das tu ich mal weg. (steht auf) Von wegen: da bahnt sich was Neues für meine Frau an! (wirft die Zeitschrift in den Mülleimer). Ihr meint also: alles wirkt zusammen – die Sterne, wir hier unten, die Schrift, der Nachbar, der mich ärgert, der Hund, der jeden Tag gestreichelt werden will und mir selbst viel gibt, die Pflanze, die gerade so schön blüht…

W2:                  Ich glaube, dass nichts sinnlos ist. Gott will gefunden werden. Wo anders als in dir kannst du ihn entdecken? Natürlich auch in Dingen, die geschehen.

F:                     Wenn ich das sage, steinigt mich meine Gemeinde. Ich denke an eine Frau, die hatte ganz schlimm Krebs, da fällt es selbst mir schwer, noch einen Sinn zu erkennen. Sie hinterlässt 2 Kinder und der Ehemann steht jetzt allein da.

W1:                  Wir verstehen die Wege Gottes nicht immer. Wir wissen nicht, was er für uns vorsieht. Das können wir auch nicht an den Sternen erkennen. Man kann eben nichts vorherbestimmen. Aber seitdem ich das Kind entdeckt habe, weiß ich: alles wird gut. Ich denke immer wieder daran, wenn etwas Schlimmes passiert. Dafür ist das Kind auf die Welt gekommen.

W2:                  Und manchmal erkennt man später, dass man gestärkt aus einem sehr schlimmen Ereignis oder einer großen Krise herausgekommen ist.

F                      (nickt): Ja. Ich glaube, ich weiß schon, wie ich meine Predigt aufbaue, da kommen Kinder und Jugendliche von heute vor und der Stall ist vielleicht die baufällige Bude von nebenan. Der einzige Stern, den die Jugendlichen kennen, ist: „Leuchte auf, mein Stern Borussia! Leuchte auf, zeig mir den Weg!“ Und dann erzähle ich von anderen Sternen, die in uns strahlen können, von echten Wegweisern und dem Weg, den jeder ganz persönlich finden und gehen muss. - Aber: da fällt mir gerade was auf! (sieht die beiden Weisen an)

W2:                  Was denn?

F:                     Wo ist eigentlich der dritte Mann von euch?

      (W1 und 2 gucken sich an)

F:                     Na, der dritte Weise oder König, wie man heute so sagt.

W1:                  Also. Erstens sind wir… (W 1 und 2 machen Kopfbedeckungen ab) … Frauen!

F:                     Oh, Mann!

W2:                  Es gab nicht nur Päpstinnen! 

 W1:                  Und zweitens: der dritte Weise, das… (W2 nimmt

das Handtuch von F. und legt es ihm als Kopfbedeckung auf den Kopf)            

W1 und W2:     (wie aus einem Munde):  … bist du!

(F. stellt sich dann zwischen die beiden; die drei umarmen sich und zeigen ins Publikum):

 Alle drei:           Und du, und du, und du!

F:                      (Die drei gehen Richtung Ausgang; F. dreht

sich noch einmal zum Publikum um.)

Wie hieß das noch? (mit Augenzwinkern) „Neue Bekanntschaften bringen neues Glück!“ Warum war das eigentlich meiner Frau prophezeit und nicht mir?

Frohe Weihnachten!