Reise mit Dali und Nante in C.G. Jung's Rotes Buch zur Apokalypse d. Joh. - 2022

08.11.22 Auf der Rückreise aus Madrid fuhr ich noch für 1 Tag an der katalan. Küste vorbei. Dorthin, wo ich vor 34 Jahren eine "Welten"reise kurz nach Beginn wieder abge-brochen hatte. Damals schlaflos und traumvoll, hier ..weiter unten Traum 1 von 1988.

09.11.22 Am nächsten Tag, im Zug von Figueres, jetzt nach Hause, fand ich Zugang in C.G. Jungs Gedankenwelt. Ein paar Textpassagen aus dem -eher zufällig gefundenen- esoterischen Buch eines argentinischen Philosophie-Professors zogen mich an. Bernardo Nante schreibt 2010/12 in "El Libro Rojo de Jung(von mir übersetzt aus dem Span.) 'Das Rote Buch C. G. Jung's: Schlüssel zum Verständnis eines unfassbaren Werks'. Hier im 1. Teil aus dem Kapitel 'Undidad Y Diversidad Del Opus Jungiano' übersetzend zitiert: 


...Jung versuchte, die Symbole hinter den flüchtigen menschlichen Gefühle zu verstehen. Der heutige Mensch vertraut allein seinem aufgeklärten Verstand und glaubt sich frei von der eigenen symbolischen Welt und den Einflüssen der früheren Götter. Doch, wie wir bereits bemerkt hatten, veränderten sich nach Jung die ausgeschlossenen Götter so, dass sie krank machen.


...Doch zweifellos war das, was das Terrain des Roten Buches vorbereitete, seine tiefreichende und kompromiss-lose Arbeit, die Jung der Mythologie zuwendete. Und die Art, die sein neu erwähntes Werk formt 'Wandlungen und Symbole der Libido'. Aus jener Schaffensepoche erzählte Jung:  "mir scheint es, dass wir in einer mentalen Psychiatrie lebten, die wir uns selbst geschaffen haben. In der alle diese Fantasiefiguren vorkommen: Centauren, Nymphen, Satyre (Mischwesen und Dämonen im Gefolge des Dionisos, griech. Mystik), Götter und Göttinnen, so als wären sie Patienten und ich müsste sie analysieren. Wie man es in einer griechischen Sage liest, oder schwarz, als wenn mir ein psychisch Kranker seine Anamnese erzählte."


...Und sehr wohl schien dieser 'Unbewusste Gott' assimilierbar mit dem gnostischen Demiurgen, beschreibt Jung - im alchimistischen Verständnis - die Einbindung von Mensch und Göttlichem in einer sich entsprechenden Nicht-Dualität,  psychologisch ausgedrückt, mit der Einbindung des Ich/ich-selbst. Diese Verbindung begann mit der Einbindung von Sophia, als weibliche Kraft, gleichauf unvergänglich mit Gott. Sophia erscheint zu drei Gelegenheiten: erstens in dem bereits beschriebenen Zustand ihrer Abwesenheit, zweitens in einer Anamnese die in Sprichworten in Erscheinung tritt, Weisheit und Geistlichkeit, und zuletzt ihrer Lobpreisung, apokalyptisch verstanden.


Hinsichtlich einer Anamnese (Krankengeschichte) reicht es anzumerken, dass Menschen, die sich von der Willkür Jahwes abgelehnt fühlen, eine Sophia (Weisheit) brauchen, die sich dann als einzige dem Nichts des Menschen entgegenstellt. Doch die vor-existierende Sophia erscheint in erneuerter, ewiger Form einer göttlichen Heiligen Hochzeit wieder. Bis die dann unvermutet in der Schöpfung des zweiten Adam mündet, dem männlichen (Mensch-)Gott. Aus der Meditation über die apokalyptischen Visionen projiziert sich die Ausgestaltung des Dogmas einer Himmelfahrt Marias, in Wahrheit ein Ersatz für Hiob. Diese Frau war eine, in der sich das Pleroma (strahlendes Lichtmeer) Gottes fortsetzte, und so die Geburt des Kinds der Weisheit legitimieren würde, wie eine fortwährende Inkarnation.

...Im Werk Jungs konzentriert sich der doppelsinnige Begriff 'Orient' (östlich) fundamental im Yoga, in seiner umfassenden Bedeutung als ein pan-asiatisches Phänomen, dass den Buddhismus und Taoismus mit umfasst. Seine Auseinandersetzung damit führt ihn zu einem zweifachen Denkanstoß: einerseits brechen die östlichen Texte seine Isoliertheit auf. Sie erlauben ihm Phänomene zu verstehen, die das Yoga lehrt, analog zu dem, was sich an einigen seiner Patienten feststellen lässt (z.B. Mandala-malen). Und zum anderen seine Freundschaft zu ausgezeichneten Spezialisten wie Richard Wilhelm, Heinrich Zimmer, Daisetz T. Suziki, Evans Wentz, usw. 


Jung anerkennt den Wert östlicher Spiritualität, kritisiert gleichzeitig jedoch eine unkritische Aneignung des 'Orients' - die dessen eigenständiges Unbewusste ausblendet -  wie den überkritischen Materialismus, der östlicher Spiritualität unwürdig ist oder sie auf eine rein gelehrte Herangehensweise reduziert. Die okzidentalische Herausforderung bestehe darin "...daraus die östlichen Werte aus dem Inneren ziehen zu können und nicht aus dem Äußeren. Indem wir sie in uns selbst suchen, im Unbewussten. (Quelle 50) Die Imitation verhindert der Prozess der Individuation und löst eine gefährliche "unbewusste Aneignung" aus. Der Okzident (Westen) entwickelte seine eigenen Praktiken und Wege (Theurgie, Kontemplation (Stille), die
Riten des Ignatius von Loyola), doch die sind nicht mehr gültig. Jung zweifelt nicht daran, dass im Verlauf der Jahrhunderte das Abendland auf der Glaubensgrundlage, die das Christentum geschaffen hat, sein eigenes Yoga entwickeln wird. Seine praktische Botschaft, gerichtet an alle Menschen, greift auf - in zeitgenössischem Verständnis und auf wissenschaftlicher Grundlage - was die spirituellen Traditionen in ihrem Kern schon immer enthielten: die Menschheit muss ihren magisch- okkulten Schatz im Inneren heben. Und das ist somit eine mühselige Aufgabe, jeder und jeder, persönlich und kollektiv, ohne jegliche Gewissheiten, und ohne, dass man sich durch Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe unterstützt fühlen kann oder aber schlichtweg abgelehnt wird. Der Geist der Tiefe ruft zu einem spirituellen Abenteuer auf; um letztendlich mit dem eigenen Leben diese nicht aufhörende Geschichte erzählen, von der wir bereits gesprochen haben: 


"Irgendwann gab es irgendwo eine Blume, einen Stein, eine Königin, einen König, einen Palast, einen Liebenden und eine Liebende, es gab vieles, über dem Meer, auf einer Insel, vor 5000 Jahren... Das ist die Liebe, die mystische Blume der Seele, das ist der Mittelpunkt, das eigene Selbst..." (51)


Ende der Zitate aus Nantes Buch über Jung's Rotes B.


Einordnung: Jung's Rotes Buch waren seine persönlichen Notizen, u.a. Träume usw., z.T. während seines Burnouts(?) in den 20er Jahren geschrieben. Zu Lebzeiten war es ihm sicherlich auch ein Stück weit zu "intim oder peinlich"(?) Es lag bis 2009 unveröffentlicht in einem Schweizer Tresor.



Bilder: Teatre-Museu Dali, Figueres; oberes Foto: Meisterwerk als Deckengemälde des Schlafgemachs 
                          unteres Foto: Eva als Venus mit Schlange


Wenn Carl Gustav Jung von "...Weisheit und Geistlichkeit, und zuletzt ihrer Lobpreisung, apokalyptisch verstanden" spricht (s. oben), assoziere ich das mit der Offenbarung oder Apokalypse des Johannes. (vgl. wiki) Die Zahl "666" scheint hierin als Schlüssel für das "Böse", die "Hure Babylon". Doch vlt. ebenso gemeint in Gestalt des röm. Kaiser Nero? (sein tatsächlich ziemliches "Gewalt"-Horoskop findet sich grafisch bei astro.com/astro-databank, für denjenigen, der's zu interpretieren vermag).
Die Apokalypse des Johannes beschäftigte auch Friedrich Engels. ...Mit ihrer komplett pagan-allegorischen Bildsprache aus der Antike... Allein ihr äußeres Erlösungs"ziel" zweifle ich an (als in Teilen reinkarnationsgläubiger Hobbyastrologe, dennoch ebenso naturwiss. denkender Chemieingenieur). Auch modernste Naturwissenschaft & Psychologie wird uns von den archaischen Urtypen-in-uns kaum erlösen, vgl. C.G.Jung.


Chiliastische Gruppierungen, wie die Zeugen Jehovas oder Adventisten, rezipieren die Offenbarung/Apokalypse des Johannes. Hingegen erkennen orthodoxe/re Kirchen sie mehr oder weniger nicht an. Ein 
Luther wusste mit ihr wenig anzufangen. (zusammenfassend aus wikipedia zitiert





Hier eine gelungene(?) Progressiv-Rock Vertonung der Vier apokalytischen Reiter: The four Horsemen aus dem Album 666 ; künstlerisch interpretiert 1972 von Vangelis Papathanassiou und Demis Roussos in der Rockband Aphrodite's Child.



"Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus, proportional zum eigenen Mut" - Anais Nin




„An dem Tag, an dem du dich wirklich selbst akzeptierst, werden sich dir neue Horizonte erschließen und eine nie zuvor gehörte Melodie an dein Ohr dringen.“ Aus autobiographischem Roman Die Traumheilerin von Prof. Hernán Huarache Mamani, Peru; Schamane, Kulturwissenschaftler, Mitbegründer des I.N.C.A Instituts



"Paths we cross, we cross again!" - Patti Smith













                    The lost trail, Charles Wimar um 1857, Museo Thyssen-Bornemisza Madrid














links: Apache Fire Signal, Frederic Remington um 1906, Museo Thyssen-Bornemisza Madrid